„Hessen fordert mehr Transparenz bei Vergleichsportalen im Internet“

Von Umweltministerin Priska Hinz und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer

Ob bei Flugreisen, Gaspreisen, Handytarifen, Bankkonten oder Versicherungen: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen Vergleichsportale im Internet, um sich über verschiedene Produkte und deren Preise zu informieren. Auf diese Weise können sie sich nicht nur schnell und bequem einen Überblick verschaffen, sondern sich auch schnell für das für sie am besten geeignete Produkt entscheiden. Ein umfassender Preis- und Leistungsvergleich im Einzelhandel oder bei verschiedenen Dienstleistungsanbietern ist hingegen aufwändiger für die Kunden.

 

Doch ist hier Vorsicht geboten: Nicht alle Vergleichsportale sind so objektiv und unabhängig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Weil sich diese Internetseiten unter anderem durch Werbung und Provisionen finanzieren, besteht die Gefahr von Interessenskonflikten: Teilweise fließen sachfremde Kriterien in die Suchfilter ein oder es wird nur unzureichend über die Vermittlung auf Provisionsbasis informiert. Das kann dazu führen, dass nicht das aus Verbrauchersicht beste Ergebnis ganz oben steht, sondern der Anbieter, der die größte Provision an das Vergleichsportal zahlt. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist dies aber nicht erkennbar.

 

Im Bereich von Vergleichsportalen für Bank- und Girokonten ist der Gesetzgeber daher bereits tätig geworden. Das neue sogenannte Zahlungskontengesetz sieht die Möglichkeit einer Zertifizierung für die Betreiber dieser Internetseiten vor – auf freiwilliger Basis. Das Zertifikat berechtigt die Betreiber der Vergleichsportale dazu, die Bezeichnung „Vergleichswebsite nach dem Zahlungskontengesetz“ zu führen. Voraussetzung für die Erteilung des Zertifikats ist allerdings, dass die gesetzlichen Vorgaben an die Vergleichskriterien und die Vergleichswebsites eingehalten werden.

 

Auf Initiative Hessens hat sich der Bundesrat gegenüber dem Bundesfinanzminister für deutlich strengere Vorgaben eingesetzt. Beispielsweise sollten die Provisionen, die zwischen den Betreibern und den Finanzdienstleistern fließen, offengelegt und die standardmäßigen Voreinstellungen der Suchfilter bekanntgegeben werden. Auf diese Weise können sich die Verbraucherinnen und Verbraucher bei zertifizierten Vergleichsportalen sicher sein, dass sie verlässliche Informationen erhalten. Derzeit prüft das Bundesfinanzministerium, dies in die geplante Verordnung für Vergleichsportale aufzunehmen.

 

Damit ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Das ist gut so, denn Verbraucherschutz ist ein Bürgerrecht. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher der Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen können, benötigen sie Transparenz und vollständige Information. Vergleichsportale können ein wirkungsvolles Instrument zur Stärkung des Wettbewerbs auf den Märkten sein, wenn sie einfach nutzbar, zuverlässig und unabhängig sind. Nur in diesem Fall haben die Verbraucherinnen und Verbraucher etwas davon. Dazu sind aber die Nachprüfbarkeit der Methoden und Kriterien beim Vergleich von Angeboten wichtig.

 

Deshalb dürfen wir hier nicht stehen bleiben, sondern sollten entsprechende Regeln für alle Vergleichsportale anstreben. Dafür setzt sich die Hessische Landesregierung heute bei der Verbraucherschutzministerkonferenz ein und hat dazu eine Beschlussvorlage für die Länder geliefert. Auch beim Vergleich von Versicherungen, Strom-, Gas- oder Handytarifen oder bei Flug- und Hotelpreisen sollten Zertifikate für die nötige Transparenz sorgen. Diese Portale arbeiten ganz ähnlich wie Vergleichsportale für Zahlungskonten. Sie bergen daher vergleichbare Risiken, denen man auf ähnliche Weise, nämlich durch Einführung eines Zertifikats, Rechnung tragen sollte. Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten durch das Zertifikat auf den ersten Blick erkennen, welche Vergleichsportale nach den gesetzlichen Vorgaben arbeiten und welche nicht. Sie könnten so eine bewusste und informierte Entscheidung treffen, welche Portale sie nutzen und welche sie meiden.

 

Deshalb: Freiwillige vor! Die Portalbetreiber haben etwas zu gewinnen, wenn sie sich freiwillig nach klaren verbraucherfreundlichen Standards messen lassen. Sie sollten sich allerdings nicht allzu lange dafür Zeit lassen. Wenn sich die Vergleichsportale nicht innerhalb eines Jahres freiwillig zu mehr Transparenz und höheren Qualitätsstandards bewegen lassen, werden wir uns dafür einsetzen, dass Mindeststandards im Gesetz verankert werden.

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