Weniger Plastik für Hessen

Die immer größeren Mengen von Plastikmüll sind nach den Worten von Umweltministerin Priska Hinz „weltweit eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit“. Sie stellte jetzt die Plastikvermeidungsstrategie des Landes vor.

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Umweltministerin Priska Hinz
Umweltministerin Priska Hinz

„Die globale Kunststoffproduktion hat sich seit den 60er Jahren verzwanzigfacht“, sagte Hinz. „Es gibt Bereiche, in denen Kunststoffe wichtige Funktionen erfüllen. Denken wir beispielsweise an die Medizintechnik oder den Fahrzeugbau. Oft werden Kunststoffe jedoch nur kurz genutzt – im Zweifel nur wenige Minuten wie beim Coffee-to-go-Becher. Was wir vor allem reduzieren wollen, sind überflüssige und schnelllebige Verpackungen sowie Wegwerfprodukte. Zugleich wollen wir auch die wichtigsten Ursachen für Mikroplastik in der Umwelt bekämpfen. Wir können nicht hinnehmen, dass Mikroplastik in sämtliche Teile unserer Erde gelangt. Auch in Hessens Flüssen und Böden ist Mikroplastik zu finden.“

Weniger Plastikverbrauch in Hessen

Die Menschen in Hessen sollen die Möglichkeit haben, plastikarm einzukaufen. Das Land initiiert eine Plattform Plastikvermeidung im Einzelhandel. Vertreterinnen und Vertreter der Branchen Lebensmittel, Getränke, Kosmetika, Textilien und Möbel werden gemeinsam nach Lösungen suchen. Neben dem Einzelhandel werden auch Hersteller und Industrie einbezogen. Start der neuen Plattform Plastikvermeidung wird schon im Januar 2020 sein. Darüber hinaus berät das Land zum Verkauf unverpackter Lebensmittel und gibt ein Merkblatt zum Einkaufen mit eigenen Behältnissen heraus.

Weniger Plastikmüll in der Umwelt

To-go-Becher sind ein Wegwerfprodukt, das häufig achtlos weggeworfen wird. Bereits seit 2016 ist das Land mit dem BecherBonus aktiv. Nun geht Hessen einen Schritt weiter und setzt sich für die Vernetzung von Coffee-to-go-Mehrwegbechersystemen ein. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden zudem mit Infomaterial zur Plastikvermeidung und zur richtigen Entsorgung sensibilisiert.

Weniger Mikroplastik

Eine besonders relevante Eintragsquelle von Mikroplastik sind Kunstrasenplätze. Auf einem Fußballplatz werden mindestens 35 Tonnen Kunststoffgranulat verstreut. Vom Platz gerät das Plastikgranulat durch Wind und Wetter oder auch durch die Schuhe der Spieler in die Umwelt. „Mit dem hessischen Sportministerium haben wir daher vereinbart, dass das Land neue Plätze ab sofort nur noch fördert, wenn anstelle des Kunststoffgranulats geeignete, natürliche Materialien wie Kork oder Sand verwendet werden. Auch die Sanierung bestehender Plätze wird nur noch bei Verwendung von umweltfreundlichen Alternativen gefördert“, erklärte Hinz. Zudem geben die Umweltministerin und der Sportminister Empfehlungen zum Umgang mit bestehenden Plätzen aus.

„Festes Mikroplastik ist nur ein Teil des Problems“, so Hinz weiter. „Polymere werden Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln auch in flüssiger oder löslicher Form zugesetzt, obwohl sie ökotoxisch und schwer abbaubar sein können. Und das in großem Umfang. Der Anteil flüssiger oder gelöster Polymere in Kosmetika-, Wasch- und Reinigungsmitteln ist 50 Mal höher als der des festen Mikroplastiks. Verbraucherinnen und Verbraucher können das auf der Verpackung nur schwer oder gar nicht erkennen. Wir fordern die EU und die Bundesregierung auf, endlich aktiv zu werden und auch für flüssiges Plastik neue gesetzliche Anforderungen zu schaffen. Wir wollen, dass diese kritischen Stoffe drastisch reduziert und Anreize geschaffen werden, sie komplett zu vermeiden.“

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