Vorrang für umweltfreundliches Transportmittel Binnenschiff

Angesichts historisch niedriger Pegelstände verlangt Verkehrsminister Tarek Al-Wazir Arbeiten an der Fahrrinne des Rheins, um die Kapazität von Europas wichtigster Wasserstraße zu steigern. „Das Binnenschiff ist ein denkbar umweltfreundliches Transportmittel, wird jedoch ausgebremst – nicht allein von der Trockenheit, sondern auch, weil notwendige Maßnahmen nicht beherzt angegangen werden.

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Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir
Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir

„Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist höher als 1:30“, stellte der Minister fest. „Für Verkehrsprojekte ist das geradezu astronomisch, es gibt kein einziges Projekt im Bundesverkehrswegeplan mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sinnvoller kann man Geld nicht ausgeben.“ Die Vertiefung ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehen, ist aber erst im Vorplanungsstadium. Al-Wazir forderte die Bundesregierung auf, umgehend mit der Umsetzung zu beginnen. „Die Klimaexperten sind sich einig, dass sich Extremereignisse wie die jetzige Rekorddürre häufen werden“, erläuterte der Minister bei einem Besuch des Hafens Gustavsburg. „In der jetzigen Situation droht die Gefahr, dass Containerfracht auf den Lkw verlagert wird und dann nur schwer wieder für das Schiff zurückzugewinnen ist.“ Hessen hat mit seinem Klimaschutzplan 140 Maßnahmen festgelegt, um den Treibhausgasausstoß zu drosseln und die Folgen des Klimawandels abzumildern. „Die Bundesregierung muss dabei ebenfalls ihrer Verantwortung gerecht werden – auch auf den Bundeswasserstraßen“, forderte Al-Wazir die Bundesregierung auf. „Dies ist weltweit die größte politische Aufgabe der nächsten Jahre.“

Mit punktuellen Maßnahmen Fahrrinne vertiefen

Der Verkehrsminister führte aus, dass mit punktuellen Maßnahmen die Fahrrinne auf 2,10 Meter vertieft werden könne, so dass von der französischen Grenze bei Iffezheim bis Koblenz ein einheitliches Niveau herrsche. Ein Güterschiff könne dann im Normalfall über 200 Tonnen, ein Großcontainerschiff sogar 450 Tonnen mehr laden. „Die Kapazität zwischen Basel und Rotterdam würde auf einen Schlag um zehn Prozent steigen, ohne dass ein Schiff zusätzlich fahren müsste“, fasste Al-Wazir zusammen, „und auch bei Niedrigwasser müsste die Fracht nicht so drastisch reduziert werden wie in den letzten Wochen.“

Das Frachtaufkommen auf dem Rhein stagniere nahezu seit Jahren, obwohl der Güterverkehr insgesamt wachse. „Man muss nur wenige Untiefen beseitigen, um die Kapazität von Europas wichtigster Wasserstraße beträchtlich zu steigern“, informierte der Minister. „Mitunter genügt es, mit Buhnen oder Längsbauwerken den Wasserspiegel zu stützen.“

Resolution der vier Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen

Die vier Rheinanlieger Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen hatten sich im Frühjahr in einer Resolution für die sogenannte „Abladeoptimierung“ am Mittelrhein zwischen Wiesbaden und St. Goar ausgesprochen. Wegen sechs schwieriger Stellen kann in diesem ca. 50 Kilometer langen Abschnitt nur eine Fahrrinne von 1,90 m Tiefe garantiert werden – so wenig wie nirgends sonst im schiffbaren Flussverlauf. Dies begrenzt den Tiefgang der Schiffe und damit ihre Ladekapazität.