Ergebnisse der Umfrage zur hessischen Polizeistudie präsentiert

Innenminister Peter Beuth und Landespolizeipräsident Udo Münch haben erste Ergebnisse der Umfrage zur Studie „Polizeiliche Alltagserfahrungen – Herausforderungen und Erfordernisse einer lernenden Organisation“. Demokratische Werte seien fest in der hessischen Polizei verankert, sagte Innenminister Peter Beuth.

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Innenminister Peter Beuth
Innenminister Peter Beuth

Per Onlinefragebogen hatten Beschäftigte der hessischen Polizei die Möglichkeit, sich an dieser bundesweit einmaligen Umfrage zu beteiligen. Rund 17.000 Polizeivollzugsbeamte, Verwaltungsbeamte und Tarifbeschäftigte konnten mitmachen. 4.277 Frauen und Männer nahmen an der Befragung teil, was einer sehr guten Rücklaufquote von 25 Prozent entspricht. In Absprache mit dem Hauptpersonalrat der Polizei und einem wissenschaftlichen Beirat aus fünf renommierten und unabhängigen Experten erarbeitet das Hessische Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) zurzeit eine umfassende Analyse der Ergebnisse. Anlass für die Befragung waren Rechtsextremismus-Verdachtsfälle in der hessischen Polizei. Darüber hinaus sollten mit der Studie Einstellungen der Beschäftigten zu Arbeitsumfeld, -zufriedenheit und -bedingungen erhoben werden.

„Unsere Umfrage liefert bisher nie dagewesene Einblicke in den Polizeiberuf“, sagte Beuth. „Sie zeichnet ein umfassendes Bild der Herausforderungen, vor denen unsere Schutzleute tagtäglich stehen. Vor allem aber verdeutlichen die Zahlen, dass die Frauen und Männer der hessischen Polizei fest an die Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung glauben und sie auch vertreten. Extreme oder sogar extremistische politische Positionen sind der ganz großen Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen fremd. Die Studie bestätigt uns deshalb in der Auffassung, dass es sich bei den rechten Verdachtsfällen in der hessischen Polizei um Einzelfälle handelt, in denen wir aber mit aller Konsequenz weiterermitteln werden.“

Zwei Drittel sehen sich selbst politisch „in der Mitte“

Fast zwei Drittel (64,4 Prozent) der Befragten positionieren sich bei der Frage nach dem „politischen Standort“ in der Mitte. 13 Prozent verorten sich bei „mäßig links“ und knapp 19 Prozent (18,8 Prozent) bei „mäßig rechts“. An den politischen Rändern positionieren sich nur sehr wenige der Polizeibeschäftigten in Hessen („ausgeprägt links“: 0,2 Prozent, „links“: 2 Prozent; „ausgeprägt rechts“: 0,1 Prozent, „rechts“: 1,6 Prozent). Nahezu alle Befragten (97 Prozent) halten die parlamentarische Demokratie eher (27,7 Prozent) oder voll und ganz (69,3 Prozent) für die beste Staatsform.

Eine große Mehrheit (rund 72 Prozent) gibt sich gegenüber sozialistischen Ideen kritisch, während der Kapitalismus mit rund 62 Prozent eine deutlich höhere Zustimmung erfährt. Nahezu alle Befragten (rund 97 Prozent) halten die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus für wichtig. Während die Gefahr nach einer „enormen Ausbreitung“ des Rechtsextremismus nur etwa sechs von zehn befragten Polizeibeschäftigten sehen. Für etwas mehr als die Hälfte (rund 56 Prozent) der Befragten ist die Existenz des Staates Israel Teil deutscher Staatsraison. Rund 28 Prozent sehen zumindest die Möglichkeit, dass Deutschland ein „islamisches Land“ werden könnte.

Große Mehrheit ist zufrieden mit der Arbeit und identifiziert sich mit dem Polizeiberuf

Die Befragten identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit (rund 90 Prozent der Befragten) und auch die Arbeitszufriedenheit liegt mit mehr als 80 Prozent (genau: 81,5 Prozent) im Vergleich zu anderen Berufen sehr hoch. Allerdings bewerten nur etwa 60 Prozent der Befragten auch die Arbeitszufriedenheit ihrer Kolleginnen und Kollegen als entsprechend positiv. Rund zwei Drittel halten das Image der Polizei zumindest eher für gut.

Die drei wichtigsten Zufriedenheitsfaktoren für Polizeibeschäftigte sind Kollegialität (63,3 Prozent), das Betriebsklima (47,4 Prozent) und ein kurzer Arbeitsweg (42,6 Prozent). Als Unzufriedenheitsfaktoren wurden zu wenig Personal (78,7 Prozent), die Aufstiegsmöglichkeiten (58,1 Prozent) und fehlende Wertschätzung (46,4 Prozent) genannt.

„Mit unseren Sicherheitspaketen werden wir dafür sorgen, dass alle Polizeibeschäftigten Verstärkung bekommen. Unser Hebungsprogramm aus dem aktuellen Haushalt wird rund 400 weitere Beförderungen für die Polizei bringen“, erklärte Beuth. „Ich kann aber gut verstehen, dass die Kolleginnen und Kollegen die personelle Entlastung lieber heute als morgen wollen. Wir stellen mit unseren Sicherheitspaketen insgesamt rund 2.000 zusätzliche Polizeivollzugsbeamte ein. Auch die Wachpolizei und die Verwaltungsmitarbeiter kriegen mehr Personal.“

Sieben von zehn Befragten wurden schon Opfer von Gewalt

Teil des Fragebogens waren auch Alltagserfahrungen. In dem Zusammenhang wollten die Autoren der Studie auch immer wissen, wie sehr die einzelnen Vorkommnisse den Einzelnen belasten. Am stärksten belastet die Befragten die Überbringung von Todesnachrichten: 58,5 Prozent wählten diese Situation aus. Aber auch tödliche Verkehrsunfälle und die Unterstellung von Fremdenfeindlichkeit bzw. Rassismus nannten jeweils rund 44 Prozent der Teilnehmer als besonders belastende Situationen.

Fast jeder zweite Befragte gab an, zumindest einmal Opfer einer solchen verbalen Attacke geworden zu sein. Angriffe von Bürgern auf Polizeibeschäftigte hinterlassen bei den Schutzleuten nicht nur körperliche Spuren, wie die Ergebnisse zeigen. „Mehr als 70 Prozent der befragten Polizeibeschäftigten wurden bereits von Bürgern angegriffen“, so Beuth. „Jeder zweite wurde bereits mehr als zweimal Opfer von Übergriffen. Fast 87 Prozent der Schutzpolizisten wurden mindestens einmal angegriffen. Beleidigt wurde nahezu jeder uniformierte Kollege schon einmal: 97 Prozent waren betroffen. Diese Zahlen machen betroffen, sind für uns aber leider keine Überraschung, weil sie die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik bestätigen. Umso mehr zeigt die Studie, wie wichtig es ist, dass unsere Gesellschaft ihrer Polizei zeigt, dass wir sie brauchen und wertschätzen. In jeder Uniform steckt ein Mensch, der seinen Job macht und dafür den Respekt und die Anerkennung seiner Mitmenschen verdient.“

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