Der Rückgang von Emissionen ist ein Einmaleffekt

Umweltministerin Priska Hinz hat sich dafür ausgesprochen, die Klimakrise und Luftverschmutzung weiter zu bekämpfen und jetzt die Chancen für einen nachhaltigen Neubeginn zu nutzen.

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Umweltministerin Priska Hinz
Umweltministerin Priska Hinz

„Die Corona-Krise ist eine schwierige Zeit für uns alle – für die Umwelt ist sie eine kleine Atempause“, sagte Hinz. „Weniger Verkehr, Lärm und Hektik auf den Straßen, sauberere Luft. Dieser Eindruck darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderungen für Klima und Umwelt weiterhin bestehen. Jetzt, wo die dringend notwendigen Anstrengungen für die wirtschaftliche Erholung gemacht werden, sollten wir die Chance nutzen, dass die Krisenbewältigung mit dem Umwelt- und Klimaschutz Hand in Hand geht.“

Dass sich die Luftqualität in den vergangenen Wochen verbessert hat und auch weniger klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen wurden, belegen Messungen und Berechnungen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Verglichen mit der Zeit vor dem Corona-Lockdown ist der Straßenverkehr in Hessen im Mittel zwischenzeitlich um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Dadurch wurden auch weniger Schadstoffe ausgestoßen. Im Mittel über alle verkehrsnahen Stationen sanken die Stickstoffdioxid-Werte um circa 35 Prozent. An manchen Stationen wurden noch nie so niedrige Werte gemessen. Auch der Flugverkehr am Frankfurter Flughafen ist seit Mitte März drastisch zurückgegangen. Normalerweise sind stark erhöhte Konzentrationen bei den so genannten ultrafeinen Partikeln (UFP) zu beobachten, wenn der Wind aus Richtung des Flughafens weht. Seit März aber liegt die UFP-Konzentration in Raunheim bei Wind aus Richtung Flughafen aktuell im Mittel etwa 40 Prozent niedriger als sonst bei gleichen Windbedingungen.

„Diese Daten zeigen ganz klar: Weniger Verkehr führt zu weniger Abgasen, besonders beim Stickstoffdioxid. Dies ist aber kein Anlass, Maßnahmen der Luftreinhalteplanung infrage zu stellen, sondern gerade ein Beleg für deren Sinnhaftigkeit. Denn der Corona-Effekt ist nur von kurzer Dauer – der Straßenverkehr normalisiert sich bereits wieder, damit kehren wir zu alten Immissionsbelastungen zurück. Corona hat uns gezeigt: Reduktion ist möglich – wenn wir müssen, können wir uns beschränken. Mit dieser Einsicht sollten wir nach dem Lockdown nicht so weitermachen wie bisher“, sagte HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid.

Hessen setzt Klimaschutz engagiert um

„Mit 140 Maßnahmen aus dem Integrierten Klimaschutzplan (IKSP) stellen wir das Land Schritt für Schritt auf eine klimaneutrale Wirtschaft, Mobilität, Landwirtschaft und Wärme um“, sagte Hinz. „110 Maßnahmen des Klimaschutzplans befinden sich bereits in der Umsetzung – dazu zählt auch der Radwegeausbau oder Investitionen in klimafreundliche Mobilitätssysteme.“

Der Ausbau der Windenergie soll ebenfalls weiter vorangetrieben werden. In Hessen wird gerade daran gearbeitet Genehmigungsverfahren mithilfe eines erneuerten Naturschutz-Leitfadens zu vereinfachen. Die Umweltministerkonferenz hat hierzu in der vergangenen Woche einen Vorschlag für einen besseren Vollzug der Genehmigungsverfahren gemacht und den Bund aufgefordert zu klären, inwiefern Kommunen an den Erträgen von Windparks beteiligt werden können.

Neben dem Wald sind Moore ein besonders wichtiger CO2-Speicher. Noch in diesem Monat startet das Umweltministerium zusammen mit dem NABU die Rekultivierung und Erweiterung von 60 Niedermooren in Hessen. Obwohl Moore nur drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie rund 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs. Für Abkühlung, natürlichen Hochwasserschutz und Naherholung sorgen darüber hinaus 100 wilde Bäche. Noch Ende dieses Jahres beginnen die ersten Renaturierungen.

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