Ausweitung der Kooperation mit DITIB ausgesetzt

Hessen setzt die Ausweitung des in Kooperation mit DITIB erteilten islamischen Religionsunterrichts aus. An der grundsätzlichen Eignung von DITIB Hessen als Kooperationspartner bestehen weiterhin deutliche Zweifel. Das Land hält aber an einem Angebot für muslimische Schülerinnen und Schüler fest. Daher soll ein Schulversuch für ein neues Unterrichtsangebot ab der 7. Jahrgangsstufe in staatlicher Verantwortung gestartet werden.

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Prof. Dr. R. Alexander Lorz

Mit den im Dezember 2017 der Öffentlichkeit vorgestellten Gutachten der Wissenschaftler Prof. Dr. Josef Isensee, Prof. Dr. Mathias Rohe und Dr. Günter Seufert wurde der DITIB Landesverband Hessen e.V. („DITIB Hessen“) aufgefordert, seine hinreichende Unabhängigkeit vom türkischen Staat sowie die fortdauernde Eignung als Kooperationspartner eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts (IRU) bis zum 31. Dezember 2018 unter Beweis zu stellen. Nach eingehender Prüfung der von DITIB Hessen eingereichten Unterlagen hat Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz entschieden, den weiteren Vollzug des Einrichtungsbescheides für den Religionsunterricht aus dem Jahr 2012 auszusetzen. Grund dafür sind weiterhin deutliche Zweifel an der grundsätzlichen Eignung von DITIB Hessen als Kooperationspartner.

„Wenn DITIB Hessen den Wunsch hat, dass der in Kooperation mit ihnen eingerichtete bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht fortgesetzt wird, muss DITIB Hessen die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Kooperationspartnerschaft nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes dauerhaft, vollständig und professionell erfüllen“, erklärte Lorz. „Dies lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit der nötigen Gewissheit sagen. Auch bestehen hinsichtlich der Beziehungen von DITIB Hessen zum DITIB-Bundesverband in Köln und zur türkischen Religionsbehörde Diyanet weiterhin grundlegende Zweifel und offene Fragen. Daher haben wir uns als staatliche Schulaufsicht entschieden, bis zur endgültigen Klärung dieser Fragen einerseits das bisherige Angebot strikt auf den jetzigen Bestand zu begrenzen und andererseits ein neues Unterrichtsangebot in alleiniger staatlicher Verantwortung ab der Klasse 7 an ausgewählten Standorten zu erproben.“

Unterrichtsangebot in staatlicher Verantwortung

In der schulischen Praxis bedeutet dies: Der Religionsunterricht wird ausschließlich auf die bisherigen Standorte und auf die Jahrgangsstufen 1 bis 6 beschränkt. Gleichzeitig startet zum kommenden Schuljahr an den Schulen, die bereits bisher in der Sekundarstufe I bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Kooperation mit DITIB Hessen angeboten haben, im Rahmen eines Schulversuchs in der Jahrgangsstufe 7 die Einführung eines neuen, insbesondere für Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens vorgesehenen religiösen Bildungsangebots, das in alleiniger staatlicher Verantwortung eingerichtet wird. Hierfür können Lehrkräfte eingesetzt werden, die über eine Lehrbefähigung für die bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichte verfügen. Lorz: „Die Einführung islamischer Religionsunterrichte war und ist richtig. Dies haben uns nicht nur die Gutachter, sondern auch Lehrkräfte, Eltern, Universitäten, Kirchen und Verbände unisono bestätigt. Mit der Entscheidung, einen neuen Unterricht in ausschließlich alleiniger Verantwortung des Landes ab der Jahrgangsstufe 7 zu erproben, möchten wir aufzeigen, wie dauerhaft Verlässlichkeit und Sicherheit für alle Beteiligten geschaffen werden können. So können wir sämtlichen Diskussionen um eine mögliche Einflussnahme anderer Staaten die Grundlage entziehen.“

Das neue Unterrichtsangebot umfasst die Grundlagen des Islams, die islamischen Glaubensinhalte, die Geschichte, Kultur, Philosophie sowie die Ethik und damit die ganze Vielfalt des Islams. Die Inhalte tragen auf Basis der Religionswissenschaften zu einer fundierten religiösen Bildung und zur allgemeinen Verständigung bei. Bis zu den Sommerferien wird zudem ein Informationsaustausch mit muslimischen Organisationen sowie akademischen Institutionen stattfinden.

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