Artenreiche und natürliche Agrarlandschaften stärken

Die Landesregierung hat gemeinsam mit Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und stellt zusätzlich rund 15 Millionen Euro Landesmittel für Naturschutzleistungen der Landwirtinnen und Landwirte bereit. „Gemeinsam mehr erreichen – das ist unser Leitbild für die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz in Hessen,“ erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Priska Hinz.

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Ministerpräsident Volker Bouffier (rechts), Umweltministerin Priska Hinz und die Teilnehmer am runden Tisch Landwirtschaft und Naturschutz
Ministerpräsident Volker Bouffier (rechts), Umweltministerin Priska Hinz und die Teilnehmer am runden Tisch Landwirtschaft und Naturschutz

Die Landwirtschaft erbringt zahlreiche Leistungen für den Umwelt-, Klima- und Naturschutz, die besser honoriert werden müssen. Gleichzeitig soll auch den berechtigten Forderungen der Naturschutzverbände für einen gezielteren Schutz der Artenvielfalt in den hessischen Agrarlandschaften Rechnung getragen werden. Ministerpräsident Bouffier hat daher Umweltministerin Hinz gebeten, einen Runden Tische ins Leben zu rufen. In intensiven und konstruktiven Verhandlungen haben sich alle erfolgreich auf eine Vereinbarung geeinigt. Die Teilnehmenden freuen sich, dass sie in nur wenigen Monaten Ergebnisse erzielen konnten, die langfristig und nachhaltig die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz in Hessen stärken werden. Jenseits der europäischen Agrarförderung müssen auch die Spielräume auf Landesebene weiter genutzt werden.

„Wir werden auch weiterhin alles dafür tun, die Landwirtschaft in unserem Land zu stärken, denn sie trägt maßgeblich zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage bei“, sagte Bouffier. „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, diese Vereinbarung auf den Weg zu bringen. Gemeinsam leisten wir einen wertvollen Beitrag für den Natur- und Artenschutz in unserem Land.“ Hinz sagte, der Kampf gegen die Klimakrise und den Verlust unserer Artenvielfalt gehöre zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen und unsere Anstrengungen nochmals deutlich verstärken, damit wir diese Entwicklung aufhalten. Wir können in Hessen stolz darauf sein, dass wir es geschafft haben, gemeinsam mit den Verbänden aus Landwirtschaft und Naturschutz eine Vereinbarung zu schließen. Mit dieser Vereinbarung werden wir bedrohte Feldarten, wie den Feldhamster und ihre Lebensräume schützen, die Gewässerqualität verbessern und Ackerflächen schaffen, wo sich die Natur frei entfalten kann, Insekten auf Blühflächen Nahrung finden und keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden. Mit zusätzlichen Landesmitteln von 15 Millionen Euro sorgen wir dafür, dass die Landwirtinnen und Landwirte für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft auch entsprechend entlohnt werden.“

Maßnahmen und Finanzierung der Vereinbarung im Überblick

Finanzierung: Insgesamt wird Hessen zusätzliche 15 Millionen Euro jährlich in die Hand nehmen, um den Naturschutz in der Landwirtschaft zu stärken. Allein für Verträge mit der Landwirtschaft werden daraus 7 Millionen Euro 2022, 10 Millionen Euro 2023 und 13 Millionen Euro 2024 bereitgestellt.

Ausbau der Beratung und Vernetzung: Hessen wird die Biodiversitätsberatung beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) mit zusätzlichen Fachkräften deutlich ausweiten. Flächendeckend sollen alle Landwirtinnen und Landwirte zu geeigneten Natur- und Artenschutzmaßnahmen vor Ort beraten und vernetzt werden. Auch die Landschaftspflegeverbände werden bei der Beratung eng eingebunden. Alle Beteiligten des Runden Tisches haben hierfür ihre Unterstützung zugesichert. Bis 2023 soll es in allen hessischen Landkreisen einen Landschaftspflegeverband geben. Der Ausbau und die Fortentwicklung der Biodiversitätsberatung wird zudem von einem Gremium begleitet, dass paritätisch mit Mitgliedern aus den Bereichen Landwirtschaft und Naturschutz besetzt sein wird. Darüber hinaus wird das Land Hessen ein Netz von Demonstrationsbetrieben aufbauen, die sich erfolgreich für die Artenvielfalt einsetzen. Von diesen Erfahrungen sollen andere Landwirtinnen und Landwirte profitieren.

Insektenschutz, Biotopvernetzung und Reduktion von Pflanzenschutzmitteln: Das Land wird eine Strategie zur weiteren Verringerung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erarbeiten, die auch ein Monitoring beinhalten wird. Die Beteiligten am Runden Tisch streben eine weitere Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent der Menge an. Durch den hohen Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche von 16 Prozent ist Hessen bereits auf einem sehr guten Weg bei der Reduzierung. Ziel ist, bis 2025 den Anteil an Ökoanbaufläche auf 25 Prozent zu steigern. Bis 2028 soll darüber hinaus ein landesweiter Biotopverbund geschaffen werden, der auch 15 Prozent der Fläche des Offenlandes (Gebiete, die nicht zum Siedlungsraum oder Wald zählen) umfasst. Zur Erreichung des 15 Prozent-Ziels im Offenland müssen jedoch weitere Landschaftselemente einbezogen und für den Biotopverbund aufgewertet werden. Dafür kommen Gewässerrandstreifen, Wegraine, Hecken und Baumreihen in Betracht, die jedoch dauerhaft ökologisch aufgewertet werden müssen.

Gewässerschutz: Das Land Hessen wird die gewässerschutzorientierte, landwirtschaftliche Beratung fortsetzen und die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung stellen. Um der natürlichen Entwicklung von Gewässern in Hessen noch mehr Raum zu geben, soll langfristig auf zehn Metern rechts und links entlang von Bächen und Flüssen auf freiwilliger Basis keine landwirtschaftliche Nutzung mehr stattfinden. Fünf Millionen Euro jährlich wird das Land langfristig bereitstellen, um dafür auch Flächen ankaufen zu können. Pro Jahr sollen an 1.000 km Gewässerstrecke die landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Gewässerentwicklung bereitgestellt werden durch z.B. freiwilligen Flächentausch oder durch die Förderung von Gewässerrandstreifen.

Faktenbasiert entscheiden, Erfolge messen: Umwelt- und Naturschutzauflagen in der Landwirtschaft müssen fachlich gut begründet und transparent sein. Dafür wird u.a. ein Insektenmonitoring ausgebaut, das Grundwassermessstellen-Netz verdichtet und die Bewertung von Maßnahmeneffekten durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ausgeweitet, damit auch die Auswirkungen auf die Bewirtschaftung im Blick behalten werden.

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