„Keinen Platz für Antisemitismus und Rassismus“

Anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938 hat Ministerpräsident Volker Bouffier zum Kampf gegen den Antisemitismus aufgerufen. Bei einer Gedenkstunde in der Westend-Synagoge Frankfurt bekräftigte er: „In Hessen darf es keinen Platz für Antisemitismus und Rassismus geben.“ Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz betonte, dass gruppenbezogene Diffamierungen und die Ablehnung von Demokratie, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit an Hessens Schulen keinen Platz haben.

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Ministerpräsident Volker Bouffier
Ministerpräsident Volker Bouffier

„Hass und Hetze gegen Juden werden wir nicht tatenlos hinnehmen“, so Bouffier weiter. „Alle freiheitlich-demokratischen Kräfte stehen fest an der Seite der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Hessen. Der Novemberpogrom und der Holocaust machten deutlich, welche schrecklichen und barbarischen Auswirkungen der Antisemitismus und die Ausgrenzung von Minderheiten haben können. So etwas darf sich niemals wiederholen. Das war der Tiefpunkt der Zivilisation. Wir werden dem wiedererstarkenden Antisemitismus in Hessen und in Deutschland entschieden gegenübertreten. Nicht zuletzt die Ereignisse in Pittsburgh zeigen, dass wir mit allen Mitteln des Rechtsstaats den Kampf gegen den Antisemitismus führen müssen, damit sich jüdisches Leben in Deutschland frei und unbeschwert entfalten kann. Das sind wir den Opfern des 9. Novembers 1938 und des Holocausts schuldig.“

In der Reichspogromnacht zündeten die Nationalsozialisten an zahlreichen Orten im Deutschen Reich Synagogen an, plünderten und zerstörten jüdische Geschäfte, verprügelten, töteten und verhaften Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens. Der Novemberpogrom war eine Vorstufe des Holocausts, der Vernichtung des jüdischen Volkes in Europa durch die Nationalsozialisten.

„Der Antisemitismus in Deutschland tritt mittlerweile offener, dreister, brutaler und geschichtsverleugnender denn je auf. Jeder gewalttätige Übergriff auf jüdische Bürgerinnen und Bürger ist einer zu viel. Es ist beschämend, dass Juden wieder Angst haben müssen, in der Öffentlichkeit eine Kippa zu tragen und sich offen als Juden zu erkennen zu geben. Diesen Zustand dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen“, sagte Bouffier. „Gleichgültigkeit spielt nur den Antisemiten in die Hände. Es gilt, wachsam zu bleiben und jeder Form der Judenfeindlichkeit kritisch zu begegnen.

9. November: Kultusminister Lorz mahnt zur Wachsamkeit

Der 9. November ist ein Schicksalstag der jüngeren Geschichte und verbindet mit der Ausrufung der Republik 1918, der Pogromnacht 1938 und dem Fall der Berliner Mauer 1989 traurige wie freudige Wegmarken deutscher Geschichte und Erinnerungskultur. Anlässlich des Gedenktags betonte Kultusminister Lorz: „Was uns am 9. November zusammenführt, betrifft den Kern des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags. Die Achtung der Grundrechte und die Rücksichtnahme auf Empfindungen und Überzeugungen Andersdenkender sind unverrückbare Fundamente schulischer Bildung und tragen entscheidend zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen bei. Diese Errungenschaften sind gleichwohl nicht selbstverständlich und müssen jeden Tag aufs Neue gefestigt werden.“

Deshalb messe Hessen der Wertevermittlung und Demokratieerziehung im Unterricht einen hohen Stellenwert bei. Besonders im Umgang mit antisemitischen Äußerungen bestehe aber vermehrt Handlungsbedarf. Der jüngst veröffentlichte Antisemitismuserlass reagiere darauf und gebe Schulen Hilfestellungen im Umgang mit religiös motivierter Diffamierung.